Was ist die Franchise?
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Kalenderjahr aus eigener Tasche bezahlen, bevor Ihre Krankenkasse Leistungen übernimmt. Sie ist Teil der sogenannten Kostenbeteiligung in der Grundversicherung (OKP). Die Kostenbeteiligung besteht aus zwei Elementen: der Franchise und dem Selbstbehalt.
Einfach gesagt: Wenn Sie eine Franchise von CHF 2500 haben und im Januar Arztkosten von CHF 800 anfallen, bezahlen Sie diese komplett selbst. Erst wenn Ihre Kosten im Laufe des Jahres die CHF 2500 überschreiten, beginnt die Kasse zu zahlen — und zwar 90% der darüber liegenden Kosten (den Rest tragen Sie als Selbstbehalt).
Verfügbare Franchisestufen
Erwachsene (ab 19 Jahren)
| Franchise | Prämieneffekt | Max. Eigenkosten pro Jahr | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | Höchste Prämie | CHF 1000 (300 + 700 Selbstbehalt) | Chronisch Kranke, häufige Arztbesuche |
| CHF 500 | Etwas tiefer | CHF 1200 | Regelmässige Arztbesuche |
| CHF 1000 | Mittel | CHF 1700 | Gelegentliche Arztbesuche |
| CHF 1500 | Deutlich tiefer | CHF 2200 | Seltene Arztbesuche |
| CHF 2000 | Noch tiefer | CHF 2700 | Sehr selten krank |
| CHF 2500 | Tiefste Prämie | CHF 3200 | Junge, Gesunde mit Rücklagen |
Kinder (0–18 Jahre)
Für Kinder gibt es drei Franchisestufen: CHF 0, CHF 300 und CHF 600. Der maximale Selbstbehalt beträgt CHF 350 pro Jahr. Die meisten Eltern wählen die Franchise CHF 0, da Kinderarztbesuche häufig sind. Bei gesunden älteren Kindern kann CHF 300 oder 600 sinnvoll sein.
Die Franchise-Faustformel
💡 So berechnen Sie Ihr Optimum
Vergleichen Sie die jährlichen Gesamtkosten (Prämie + Franchise + Selbstbehalt) für verschiedene Franchisestufen. Die entscheidende Frage lautet: Wie hoch waren meine Gesundheitskosten in den letzten 2–3 Jahren?
Die Logik ist einfach:
- Wenig Kosten (unter CHF 500/Jahr): Hohe Franchise (CHF 2500) lohnt sich fast immer. Die Prämienersparnis übersteigt das Risiko deutlich.
- Mittlere Kosten (CHF 500–2000/Jahr): Hier lohnt sich eine individuelle Berechnung. CHF 1500 oder 2000 sind oft optimal.
- Hohe Kosten (über CHF 3000/Jahr): Tiefste Franchise (CHF 300) ist fast immer am günstigsten. Die höhere Prämie wird durch geringere Eigenkosten mehr als ausgeglichen.
Rechenbeispiel: CHF 300 vs. CHF 2500
Angenommen, die Prämiendifferenz zwischen Franchise CHF 300 und CHF 2500 beträgt CHF 150 pro Monat (CHF 1800 pro Jahr). Dann:
- Szenario A — Gesund, keine Arztkosten: Mit CHF 2500 sparen Sie CHF 1800 Prämie. Klarer Vorteil für die hohe Franchise.
- Szenario B — CHF 4000 Arztkosten: Mit CHF 300: Kosten = Prämie + CHF 300 + CHF 370 Selbstbehalt = Prämie + CHF 670. Mit CHF 2500: Kosten = (Prämie − CHF 1800) + CHF 2500 + CHF 150 Selbstbehalt = Prämie + CHF 850. Vorteil tiefe Franchise.
Die Breakeven-Schwelle liegt typischerweise bei jährlichen Gesundheitskosten zwischen CHF 1500 und CHF 2500 — je nach Kasse und Region. Prüfen Sie die genauen Zahlen bei Ihrer Kasse oder nutzen Sie einen Prämienrechner.
Franchise und Versicherungsmodell kombinieren
Die grössten Einsparungen erzielen Sie, wenn Sie Franchise und Versicherungsmodell gemeinsam optimieren. Beispiel: Hohe Franchise (CHF 2500) plus HMO-Modell kann die Monatsprämie um bis zu 40% senken gegenüber tiefer Franchise und Standardmodell.
Häufige Fehler bei der Franchise-Wahl
- Keine Rücklagen für hohe Franchise: Wer CHF 2500 wählt, muss diesen Betrag im Ernstfall sofort aufbringen können
- Franchise nicht jährlich überprüfen: Lebensumstände ändern sich (Schwangerschaft, chronische Erkrankung, Alter). Passen Sie die Franchise beim jährlichen Wechsel-Check an
- Kinder vergessen: Für jedes Kind separat die beste Franchise wählen
- Nur die Prämie sehen: Vergleichen Sie immer die Gesamtkosten (Prämie + Franchise + Selbstbehalt)
Tipps für Familien
Bei Familien addieren sich die Franchisen und Selbstbehalte. Für eine vierköpfige Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder) könnte die optimale Strategie so aussehen:
- Gesunde Eltern: Hohe Franchise (CHF 2500) für beide Erwachsene, kombiniert mit Hausarzt- oder HMO-Modell
- Junge Kinder: Franchise CHF 0, da häufige Arztbesuche (Kinderarzt, Impfungen, Kinderkrankheiten)
- Ältere, gesunde Kinder: Franchise CHF 300 kann sich lohnen
Vergessen Sie nicht: Mutterschaftsleistungen sind in der Grundversicherung von Franchise und Selbstbehalt befreit. Eine Schwangerschaft allein ist also kein Grund, auf eine tiefe Franchise zu wechseln.
Franchise ändern — wann und wie?
Die Franchise können Sie jeweils per 1. Januar ändern, indem Sie Ihre Kasse rechtzeitig informieren. Bei einem Kassenwechsel wählen Sie die neue Franchise beim Abschluss der neuen Police. Es ist auch möglich, die Franchise zu ändern, ohne die Kasse zu wechseln — fragen Sie einfach bei Ihrem Versicherer nach. Die Frist ist ebenfalls der 30. November.